Weil du fehlst

Ein dunkles Familiengeheimnis – von der Bestseller-Jugendbuchautorin Jana Frey
Kassandra hat schon fast überall gewohnt: in Paris und Prag, auf Stromboli und in der Walachei. Daran ist ihre Mutter schuld: Sobald sie von der großen Unruhe gepackt wird, zieht sie um. Und jedes Mal muss Kassandra sich wieder neu einleben. Manchmal fühlt sie sich geradezu erdrückt. Und immer öfter spürt sie, dass da etwas fehlt in ihrem Leben. Nur was? Hat es mit ihrer Vergangenheit zu tun? Warum hat ihre Mutter eigentlich jeglichen Kontakt zu den Großeltern abgebrochen? Kassandra will es herausfinden. Und dann entdeckt sie etwas, das ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt …

Kassandra ist 17 Jahre alt und hat in ihrem Leben kaum Wurzeln fassen können. Ihre Mutter scheint von einer inneren Unruhe getrieben und zieht ständig um. Für Kassandra und ihre jüngere Schwester Oya heisst dies, dass sie mit einer immer wieder anderen Realität konfrontiert sind und sich in einem neuen Leben zurechtfinden müssen. Jetzt, als junge Frau, will Kassandra der Unstetigkeit ihrer Mutter auf den Grund gehen. Sie stellt Fragen. Eine davon ist, weshalb sie zu den Eltern ihres verstorbenen Vaters keinen Kontakt mehr haben können. Weil ihre Mutter darüber nicht redet, zieht Kassandra los und sucht die Wahrheit bei den Grosseltern direkt. Zunächst tun sich diese schwer damit, doch dann ermöglichen sie Kassandra, zu verstehen. Was die junge Frau erfährt und erlebt erschüttert sie zutiefst. Ihr Weltbild gerät in Schieflage und sie verliert das Vertrauen in die Menschen, die ihr bisher nahe gestanden sind. Da wird sie von einem Lehrer an ihrer Schule, Elija Rosen, aufgefangen. Doch damit begibt sich die verstörte junge Frau auf gefährliches Terrain.

Es sind gleich mehrere Problemkreise, die Jana Frey in ihren Roman einbaut. Ihre Protagonistin Kassandra hat einige Schwierigkeiten zu meistern. Durch die in Ich-Form gehaltenen Schilderungen Kassandras werden die Leser sehr nahe ans Geschehen heran geholt. Die Erzählung ist mit einer grossen Portion trockenen Humors durchsetzt – gut dosiert und niemals zu stark aufgetragen. Doch es nimmt der Geschichte etwas an Schärfe und lässt den Verdacht aufkommen, dass sich die Protagonistin weigert, sich ernsthaft mit ihrem Leben auseinander zu setzen.

Kassandra schildert zunächst die zahlreichen Veränderungen, denen sie in ihrer Kindheit ausgesetzt war. Wer zwischen den Zeilen zu lesen vermag, wird erkennen, dass es sich bei Kassandras Mutter um eine Getriebene handelt, die versucht, vor sich selber davon zu laufen. Doch zunächst mag man darüber schmunzeln, mit welchem Selbstverständnis die beiden Töchter Kassandra und Oya die Umziehwut ihrer Mutter mitmachen und sich immer wieder in neue Schulsysteme einleben und einen neuen Freundeskreis aufbauen. Auch hier kommt wieder der Humor zum Zuge, scheinbar locker erzählt Kassandra von den Menschen, mit denen sie jeweils eine Zeitspanne verbrachten, von denen sie sich verabschieden mussten oder mit denen sie virtuell weiter Kontakt pflegen. Diese lockere Erzählweise ist zwar sehr angenehm zu lesen und entlockt immer mal wieder ein Schmunzeln, ist aber auch einer der Kritikpunkte am Roman: Kassandra zeigt deutlich, dass die ständigen Umzüge an ihr nagen. Da will weder Humor noch Pragmatismus so richtig dazu passen.

Jana Frey schafft es, die verschiedenen Themenbereiche stimmig miteinander zu verknüpfen. Kassandras erschütternde Erkenntnis wird zur Grundlage für spätere Fehlentscheidungen und die Verunsicherung der jungen Frau ist nachvollziehbar. Nicht ganz passend scheint dabei das Verhalten des Lehrers,  der durch seine Handlung nicht eben sympathisch wird und zumindest bei einer erwachsenen Leserschaft mehrere Fragen aufwirft. Hier dürfte Jana Frey sehr wohl der Realität sehr nahe kommen, dennoch dürfte es vielen sauer aufstossen, wie die Situation sich auflöst.  So hinterlässt »Weil Du fehlst« ein leicht schales Gefühl, das jedoch mehr der Handlungsweise der Protagonisten gilt als dem Konzept des Romans selber.

FAZIT:

Weil Du fehlst ist ein kluger Roman, der sich gleich mit mehreren sensiblen Themen auseinander setzt. Sprachlich fein umgesetzt und auch vom Konzept her überzeugend, ist er eine sinnvolle Lektüre für Jugendliche und junge Erwachsene. Empfindliche Jugendliche sollten jedoch unbedingt die Möglichkeit haben, mit erwachsenen Personen über die verschiedenen Themenbereiche zu diskutieren.

Referenz von: www.jugendbuch-couch.de

 

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